KEINE Buchempfehlungen

Nicht lesenswert!


Cesar Millans Welpenschule
Die richtige Erziehung von Anfang an

 

Millan Cesar und Melissa Jo Peltier; Goldmann,2013, 413 S, Fotos

 

Ein richtiger Wälzer zur Welpenerziehung, umfassend wird auf die ersten Monate im Leben eines Hundes eingegangen. Immerhin auf Seite 13 erfolgt die erste Erwähnung der Dominanz bei Hunden, symptomatisch für dieses Buch. Vieles hier ist gut geschrieben und empfehlenswert - die Passagen zur Bindung zwischen Mensch und Hund, das Plädoyer für Hunde aus dem Tierschutz - und auch für Pitbulls, die Ablehnung des Welpenkaufs aus dubiosen Quellen ("aus dem Kofferraum", etc.), das Kapitel zur Stubenreinheit,… Scheint also ein gutes Buch zu sein, oder? Wie kann ein Trainer gegen die Vermenschlichung der Hunde ausführlich argumentieren und dann seinen (mittlerweile verstorbenen) Hund vom roten Teppich träumen lassen? Wie kann ein Trainer über die Erziehung des Labradors "Marley" (aus dem Buch "Marley und ich") zu recht herziehen, selber aber einen Tagesplan für Welpen präsentieren, der schlichtweg Wahnsinn ist: stundenlanges alleine sein und nach Ankunft der Menschen dann erst recht auf dem Platz liegen - wir reden hier von Welpen! Ein Mensch soll den Biss der Mutterhündin mittels Fingerstoßen in die seitliche Nackenmuskulatur imitieren - sind wir Menschen oder Hunde? Oder sollen wir verhundlichen, wenn der Hund schon nicht vermenschlicht werden darf?! Eine Einschulung über Calming Signals ist dringend angebracht für Cesar Millan, wieder einmal sind die Fotos aussagekräftiger als der oft süßlich geschriebene Text (Welpe wird zur Belohnung auf dem Kopf getätschelt, etc.) Besonders abstoßend sind Anleitung und Fotostrecke zum "korrekten" Hochheben des Welpen mittels Griff ins Nackenfell - wieder soll der Mensch zur Mutterhündin werden - dürfen wir dann auch Futter hochwürgen, etc.? Um den Hund an das Halti zu gewöhnen (jeden?), sei mit vier bis sechs Monaten der richtige Zeitpunkt… Gut beginnt die kurze Passage zum Clicker, dann geht es weiter: Futter weglassen und Click als Belohnung, nicht aufgepasst im Clickerkurs für Anfänger!? Mehrmals wird empfohlen, beim Heimkommen den Hund weder anzusehen, anzusprechen oder anzufassen. Das ist für einen Welpen eine massiv negative Einwirkung und nicht zu rechtfertigen, wie soll ein Hund da noch eine Bindung zu seinem Besitzer aufbauen bzw. halten können? Dass der Welpe mit sechs Monaten körperlich ausgewachsen ist und dann kastriert werden kann, ist da nur mehr ein i-Tupfen." In der Welt Ihres Welpen gehört alles Ihnen und Sie erlauben ihm…" Wie traurig und klein muss die Welt eines Menschen sein, wenn er statt eines Hundes eine Marionette haben möchte, das lässt den Rückschluss auf ein kümmerliches Selbstbewusstsein zu.

 

Fazit:

Ein wirklich unangenehmes Buch, das in schmeichelndem Ton Sinnvolles und Falsches so geschickt vermischt, dass ein Hundeneuling/eher unbelesener Hundehalter kaum eine Chance hat, zu erkennen, wo die falschen/gefährlichen Ansätze liegen. Bleibt zu hoffen, dass Hundehalter mit Hausverstand diesen auch benützen - und beim Nachhause Kommen eine freudige Begrüßung ihres Hundes genießen können!

NICHT ZU EMPFEHLEN! - Cesar Millans Welpenschule


Du bist der Rudelführer

Wie Sie die Erfahrungen des Hundeflüsterers für sich und Ihren Hund nützen

 

Millan Cesar und Melissa Jo Peltier; Goldmann, 2008, 414 S, Fotos

 

Ein umstrittener Ruf eilt dem Hundetrainer Cesar Millan voraus, auch das Tollerteam hat sich nun zwei Bücher genauer angesehen.

Im Vorwort vom "Rudelführer" versucht Cesar Millan Parallelen zu Monty Roberts, dem „Pferdeflüsterer“ zu ziehen, die Kindheit des Autors wird als Motivation angeführt, Hunde auf Basis von Gefühlen zu erziehen. Das ist aber zugleich der entscheidende Schwachpunkt dieses Ratgebers, da die Erklärungen auf Halbwissen und zusammengestrickten Theorien basieren, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre werden nicht berücksichtigt; ein karges Literaturverzeichnis zeigt, dass der Autor wenig von einem Blick über den Tellerrand hält. Teilweise sind Bereiche gut und schlüssig geschrieben, das macht die Bücher von Cesar Millan umso gefährlicher für Einsteiger, die sich für sinnvolle Erziehung interessieren und nicht leicht erkennen können, wo der freundlich-kameradschaftliche Ton Cesar Millans ins druckvoll-aggressive Training übergeht.

 

Leider feiert in diesem Buch die veraltete Dominanztheorie ihre Auferstehung, die wenigen Fotos zeigen Großteils Hunde, die durch den Menschen massiv unter Druck gesetzt werden. Im Gegensatz zu den säuselnden Textpassagen entlarven die Fotos die Folgen dieser Trainingsmethoden sehr deutlich. Dass ein Kapitel „Hunde unter Druck“ heißt und Druck in der Hundeerziehung als etwas Negatives versteht , wirkt im Kontext mit den Fotos widersinnig. Nach Millan soll der Mensch sich hündisch verhalten (Krallenhand, etc.), auch das eine völlig überholte Einstellung, die vor allem bei unsicheren Hunden katastrophale Folgen für Hund und Mensch haben kann. Mensch bleibt Mensch und Hund bleibt Hund – das ist gut so und macht die Faszination und Freude des Zusammenlebens mit hündischen Partnern aus.

 

Bemerkenswert sind die Halsbänder und Leinen, die Millan verwendet, dünn und damit einschneidend, insbesondere beim Tragen des Halsbandes direkt oben an der Kehle! (In diesem Zusammenhang ist selbstverständlich auch das Würgen der Hunde auf Ausstellungen abzulehnen, das hat nichts mit gutem Handling zu tun!) Eigenlob und karikaturenhafte Beschreibungen von Hundebesitzern mit ihren Hunden passen gut in das Gesamtbild, dass Millan von sich gibt.

 

Warnung: Stachelhalsbänder und Elektrohalsbänder sind in Österreich – gottseidank – aus tierschutzrechtlichen Gründen verboten und haben beim Training von Hunden nichts verloren. Einen Hund an einem dünnen Halsband angeleint neben dem Fahrrad her laufenlassen, ist fahrlässig. Daher ein Wunsch ans Christkind/den Osterhasen/Elfen und Co.: Cesar Millan einen Tag bei Mirjam Cordt an einem Seminar über Tierschutzhunde teilnehmen lassen, das müsste doch auch diesem „dominant-aggressiven Rudelführer“ zu denken geben;)

 

Fazit:

Früher wurden viele Hunde ganz selbstverständlich gewürgt und getreten, mit wissenschaftlich untermauerten Erziehungsmethoden konnte diese Vorgehensweise ad absurdum geführt werden, Cesar Millan macht diese Methoden mit ruhiger Hand salonfähig! Wer Youtube hat, der sehe…

NICHT ZU EMPFEHLEN! - Du bist der Rudelführer


Die mit dem Hund tanzt

 

Maike Maja Nowak, 2012, Goldmann Verlag, Tierisch menschliche Geschichten, 250 S

 

Spannend geschrieben fällt es schwer, dieses Buch wegzulegen. Die Geschichten um unglaubliche Mensch-Hund Teams fesseln beim Lesen. Die Autorin vermag knapp und präzise Situationen zu schildern und offenbar den meisten Menschen, die sie trainiert, gut vermitteln, was ihr wichtig ist. Soweit der erste Eindruck, der aber um zwei entscheidende Punkte ergänzt werden muss: Objektivität ist so natürlich nicht zu erwarten und der Anspruch, gewaltlose Erziehung zu propagieren, relativiert sich rasch. Schön, dass die Autorin das Schlagen von Hunden im vorliegenden Buch vehement unterbindet, aber nicht schön, wenn dann „mit den Oberschenkeln kurz in ihn (Anm. einen Hund) hinein gegangen wird und der Hund sich duckt und zurückweicht“. Schön, wenn Hunden die Angst vor fremden Besuchern genommen werden soll, nicht schön, wenn der Hund mit „zwei Fingern begrenzt wird“ (im Selbstversuch der Rezensentin durchaus schmerzhaft!). Einige Erklärungen klingen logisch, mit Hausverstand gedacht, Manches ist aber schlecht erklärt oder schlichtweg falsch! Ein Hund, der in seiner Bewegung eingeschränkt wird, toleriert vielleicht einen Besucher, aber deshalb fällt nicht die Last des Rudelführers von seinen Schultern... Die ehemalige Liedermacherin hat keine anerkannte Ausbildung zum Hundeverhalten abgeschlossen und nimmt auch keinen ersichtlichen Bezug auf moderne Erkenntnisse der Lerntheorie – Warnung: Nachmachen kann Ihre und Ihres Hundes Gesundheit gefährden und eine gute Bindung untergraben!

NICHT ZU EMPFEHLEN! - Die mit dem Hund tanzt